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Von Srehla nach Wittenberg |
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Tag 3 |
Wir fuhren bei gutem Wetter um 9 Uhr los. Der Elberadweg sollte laut Karte große Umwege machen, auf die wir keine Lust hatten. So beschlossen wir den ersten Teil auf der Landstraße zu fahren. Wir holten bald eine 15 köpfige Fahrradfahrer Gruppe ein, die wir mit hohem Tempo überholten, doch als wir an der nächsten Kreuzung anhielten, um auf die Karte zu gucken (wir hatten keinen Kartenhalter), überholte uns die Gruppe wieder und rief grinsend dabei: Hier entlang. So ging das noch zweimal bis wir uns endlich richtig absetzen konnten und wieder auf den ausgeschilderten Elberadweg zurück fanden. Unsere Abkürzung erwies sich als eine sehr lohnende Angelegenheit. Wir hatten ca. 10 km abgekürzt.
Uns stand glaub ich viel zu oft der sportliche Gedanke im Vordergrund, anstatt mal öfters die Landschaft und vorallem die Freiheit, die man im öden Alltag nicht hat, zu genießen.
Nach unserem Ausflug ins Landesinnere ging es jetzt auf dem Elberadweg, dicht an der Elbe, weiter. Das Land war bis auf ein paar kleine steile Anstieg (wenn man nicht schnell genug in den ersten Gang schaltete, durfte man schieben!) sehr flach und schön. Es gab häufig Schautafeln auf denen stand wo man sich gerade befand und drumherum Bänke und Tische, oft mit Dächern, die zur Rast einluden.
Der Megaumweg zu unseren Lieferanten
Bei
Domesh wollten wir nach Trössin, ein kleinerer Ort sechs
Kilometer von der Elbe entfernt, abzweigen, um einen Lieferanten von
unserem Geschäft (Imkereitechnik) zu besuchen. Zuvor aßen
wir aber erst mal in einer Gaststätte an einer Bundesstraße
Mittag, wo wir unser billigstes und eines der besten Mittagessen
unserer ganzen Tour bekamen (7,90 kostete das Schnitzel und 1,80 die
Cola). Dort beschloss ich (ich war Routenplaner und Kartenleser) wie
wir nach Trössin kommen wollten. Als wir dann an der
entsprechenen Stelle zu glauben schienen, fuhren wir auf den Feldweg
wie er in der Karte eingezeichnet war. Doch als wir auf dem Feldweg
fuhren bekam ich schon ein mulmiges Gefühl, denn wir fuhren und
fuhren und hätten schon längst auf eine Landstraße
müssen. Zum Glück stoßten wir dann doch recht bald
auf die Landstraße auf der wir wieder viel weiter, als auf der
Karte eingezeichnet war, fahren mussten, bis wir dann zu einem Ort
kamen, der eigentlich Trössin heißen sollte, aber ganz
anders hieß. Wir fragten eine Person wo Trössin ist und
die wusste nicht einmal genau wo das liegt. Sie sagte das wir dort in
den Waldweg fahren sollten und nach sechs Kilometer in ein Dorf
kommen würden, wo wir noch einmal fragen sollten (Fragt mich
nicht warum wir nicht auf die Karte geguckt haben). Nach sechs
Kilometer auf Schotter kamen wir tatsächlich in das nach meiner
Meinung abgelegenste Kaff der Welt. Dort trafen wir doch recht bald
eine alte Frau an, die wir fragten wo es denn nach Trössin
ginge. Und sie sagte das wir in diesen Waldweg dort fahren müssten,
um nach drei Kilometer in Trössin zu sein. In diesen drei
Kilometer mussten wir noch einmal kurze starke Anstiege überwinden.
Aber dann waren wir tatsächlich in Trössin, mussten aber
noch durch das ganze ewig lange Dorf (ca. 3000 Einwohner), denn die
Firma lag auf der anderen seite des Dorfes. Doch nach kurzem Suchen
waren wir endlich da. Wir wurden freundlich empfangen und bekamen
eine Erfrischung. Dann sahen wir uns den Laden und die Lager an. Bloß
was ich nicht hätte machen sollen war auf die Karte zu schauen
und nach dem Fehler zu suchen der zu diesem Umweg geführt hatte.
Nachdem ich fast einen Herzinfakt bekommen hatte sagte ich den
treffensten Satz der ganzen Tour: Da wäre ja alles kürzer
gewesen! Wir waren einen Feldweg zu früh vom Elberadweg
gefahren und das hatte riesige Auswirkungen gehabt. Denn es waren nur
5 statt 18 Kilometern von Trössin bis zur Elbe. Das tat weh!
Nach diesem riesigen Umweg, der uns noch schwer im Magen lag, steuerten wir dann mit leichtem Gegenwind durch eine nicht mehr ganz so schöne Landschaft, auf Richtung Wittenberg zu. So um 16 Uhr ging uns die Puste aus und wir hatten noch über 30 Kilometer zu fahren. Jetzt zählte ich jeden Kilometer und ohne Motivation fuhr ich immer am Hinterrad meines Bruders klebend bis Wittenberg. In Wittenberg mussten wir, weil mein Bruder sich lieber auf das Schild Zentrum als auf mich verlassen wollte, nach Trössin war das verständlich, einen großen Umweg über zwei ewig hohe Eisenbahnbrücken machen. Denn wären wir an der Elbe geblieben, wären wir fast schon da gewesen.
Die Jugendherberge lag im dritten Stock eines Schlosses mitten in Wittenberg. So schön das klingt, aber es gab auch was dran auszusetzen: Z. B. das man sein Fahrrad eine enge alte außen liegende Wendeltreppe, die auch zur Jugendherberge führt, bis zum zweiten Stock hoch tragen musste, damit es nicht geklaut wird (ich wäre fast zusammen gebrochen so kaputt wie ich war). Oder das wir in einem Zimmer mit sage und schreibe 14 Betten untergebracht waren. Aber da wir so froh waren uns endlich hinzulegen zu können, machte uns das wenig aus.
Nach
dem Duschen und kurzem Ausruhen, gingen wir eilig in die kleine
Fußgängerzone der Stadt, die gleich vor der Tür der
Jugendherberge lag. Die Zone für Fußgänger war zwar
sehr kurz aber mit vielen Eiscafés, wie man auf dem Foto
sieht, sehr einladend. Auch das Rathaus von Wittenberg ist sehr
sehenswürdig. Aber die größte
Überraschung des ganzen anstrengenden Tag (vielleicht sogar von
der ganzen Tour) hatten wir, als wir uns in einer von den vielen
Eiscafés hinsetzten, um wie jeden Tag zum Abendbrot eine Pizza
zu essen. Ich schaute mir die gegenübersitzenden vier Personen
überlegend an und die guckten mich auch ganz seltsam an. Kenne
ich die nicht irgendwo her?, dachte ich. Und tatsächlich
waren es die vier, die uns in der S-Bahn, von Dresden nach Schöna,
so nett platz für unsere Fahrräder gemacht hatten und mit
denen wir uns darauf sehr nett unterhalten hatten(woher, wohin,
wieso, wars gut). Das war ein Zufall! Sofort unterhielten wir uns
angeregt über die Geschehnisse der letzten Tage und warum der
Zufall es so wollte das wir uns ausgerechnet an den Tisch um diese
Uhrzeit in das Cafe setzten, wo auch sie, unsere vier
fahrradverrückten Freunden, die schon seit Prag die Elbe
verfolgten, saßen. Nach einem längeren sehr interessanten
Gespräch, wobei wir unsere Pizza aßen, gingen wir noch ein
bisschen durch die Fußgängerzone und machten ein paar
Fotos. Trotz der sechs schnarchenden Zimmerkameraden, schlief ich
nach diesem anstrengend Tag sehr schnell ein.
Zusammenfassung
Gefahrene Kilometer:135
Durchschnittsgeschwindigkeit: 21,0
Nettofahrzeit: 6:29
Landschaft: Anfangs leicht hügelig mit schönen Wäldchen, später flacher
Fahrradwegbeschaffenheit: Führt meistens auf Wirtschaftswegen mit Schotter oder Asphalt
Ausschilderung: Die Schilder sind einheitlich und stehen meistens an den richtigen Stellen
Bemerkung: Seltsamer Weise hatte diese Etappe, obwohl wir zum Schluss total erschöpft waren, mit Abstand die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit / Die Altstadt von Wittenberg ist sehenswert